Die Schwarzenhäupter aus Reval

Im Jahre 2024 blickt die Bruderschaft der Schwarzenhäupter aus Reval auf 625 Jahre ihres Bestehens zurück. Soe ist damit eine der ältesten, wenn nicht die älteste der bestehenden hansischen Körperschaften. 1399 wurde sie in Reval, dem heutigen Tallinn, erstmalig urkundlich erwähnt. 1407 wird der älteste Schragen (die Satzung der Bruderschaft) vom Rat der Hansestadt Reval bestätigt.

Namensgeber der Bruderschaft war der Heilige St. Mauritius, der neben St. Georg Schutzpatron der Vereinigung war. St. Mauritius wurde in der kirchlichen Kunst des Mittelalters mit dunkler Hautfarbe dargestellt, und im Osten allgemein, aber auch in Süd- und Nordeuropa, verehrt. Als Schutzheiliger ganzer Städte, Adelsfamilien, Berufsstände sowie als Heiler verschiedener Krankheiten hat er bis heute seine öffentliche Präsenz. Wie und wann der Mauritiuskopf in das Wappenschild der Schwarzenhäupter gelangte, konnte bis heute nicht befriedigend geklärt werden.

Ursprünglich waren die Schwarzenhäupter eine Art Genossenschaft unverheirateter deutscher Kaufleute und Kaufgesellen – heimischer wie auswärtiger -, die sich von der schon bestehenden Großen Kaufmannsgilde gelöst hatten, wobei in der letzteren die verheirateten und selbstständigen Kaufleute verblieben. Bis zum 19. Jahrhundert schied ein Bruder bei seiner Heirat aus der Bruderschaft aus und trat in die Grosse Gilde über.

Die mit Beginn des 2. Weltkrieges von Nazideutschland eingeleitete Umsiedlung der Deutschbalten aus den damals unabhängigen baltischen Republiken Estland und Lettland und die Besetzung der baltischen Länder durch die Sowjetarmee hatten in zur Folge, dass fast alle Schwarzenhäupterbrüder in der Zeit von Oktober 1939 bis 1941 Tallinn/Reval als Umsiedler oder Flüchtling verließen. Das Haus der Bruderschaft in der Pikk 26 mit dem gesamten Inventar stand unter Altertumsschutz. Alle Kunstschätze mussten in Tallinn/Reval zurückgelassen werden. Das Haus verblieb im Eigentum der Bruderschaft.

Obgleich die Verhältnisse in den Kriegsjahren eine organisatorische Wiedereinrichtung der Bruderschaft nicht zuließen, setzte sich ihr inneres Leben fort. Zusammenkünfte der Brüder in Posen und Tallinn sind aus dieser Zeit dokumentiert.

Angesichts der Unsicherheit der Nachkriegsjahre in Deutschland wurde von den 76 Brüdern, die den Krieg überlebt haben, der Beschluss gefasst, die Bruderschaft zunächst in Stockholm, wo auch einer der Erkorenen Ältesten lebte, auf Grundlage schwedischer Gesetze zu restituieren. So lebte die Bruderschaft für eine Weile in Schweden weiter, stimmberechtigt waren alle Brüder unabhängig vom Wohnsitz.

Da mit der Zeit die überwiegende Mehrzahl der Brüder in Westdeutschland wohnte, ist es 1961 zur Eintragung der „Bruderschaft der Schwarzenhäupter aus Reval“ in das Vereinsregister in Hamburg gekommen. Laut Statut und staatlicher Anerkennung ist der nach deutschen Recht registrierte Verein unmittelbarer Rechtsnachfolger der „Bruderschaft der Schwarzenhäupter zu Reval“.

Einher mit den Feierlichkeiten zum 600-jährigen Bestehen der Bruderschaft 1999 in Tallinn ging der Beschluss der Brüder, die Bruderschaft und damit auch ein aktives Bruderleben Schritt für Schritt wieder zurück in die angestammte Heimatstadt Reval/Tallinn zu verlegen. Seit 2010 finden die bedeutendsten Zusammenkünfte der Brüder, wie das Lätarefest, wieder ausschließlich in Tallinn statt